



Angeregt durch meinen Test mit den 80-400er Optiken und aufgrund eines anstehenden Tests eines Makro-Objektives kam ich auf die Idee, mir auch mal ein passendes Stativ "anzuschauen".
Natürlich nicht ein "08/15 Wackelteil"; wenn schon denn schon! Und was nimmt der "Kenner"? Entweder Holz (sprich Berlebach) oder Carbon! Holz kommt für mich nicht in Frage, da es dank der wenigen Auszüge in der von mir gewünschten maximalen Höhe ein zu großes Packmass hat und mich auch das Gewicht ein klein wenig anschreckt.
Gegenüber Carbon wiegt ein gleichwertiges Holzstativ 1 bis 1 1/2 kg mehr. Ein weiteres Kriterium ist für mich die minimale Höhe, denn diese ist für Macro entscheidend. Ich habe keine Lust, die Mittelsäule umzudrehen und mich unter das Stativ zu setzen, daher richtete ich mein Augenmerk darauf, dass die Beine sich auch einzeln in Stufen abspreizen lassen.
Wer an Carbon denkt, dem fallen sicher zuerst die Stative von Manfrotto und Gitzo ein. Diese sprengen aber meist den finanziellen Rahmen, den man sich für ein Stativ gesetzt hat und so kam ich auf die Firma Velbon, die auch seit Jahren Carbon-Stative im Sortiment hat.
Also schnell mal den sehr gut gemachten pdf-Katalog heruntergeladen und eine Auswahl getroffen. Meine Wahl fiel auf das Sherpa Pro CF-730 mit dem 275er Magnesium-Kopf und dem MacroSlider. Zwar hat das 830er einen um 4mm größeren Stativbeindurchmesser, aber es ist 700g schwerer und über 11cm länger beim Transport. Hinzu kommt, dass sowohl das 840 als auch das 830 eine Kurbelsäule (Mittelsäule mit Kurbel) haben - in meinen Augen ein klares K.O.-Kriterium. das 740 und das 840 ist zwar vom Packmass her deutlich kleiner als das 730er, beide haben aber statt 3 derer 4 Auszüge, was wiederum zu Lasten der Stabilität geht.
Blieb also für mich "nur" besagtes CF-730.
Das Stativ verfügt voll ausgezogen über eine max. Höhe von 190cm - mit 3-Wege-Kopf und Kamera drauf brauche also selbst ich mit meinen barfuss 188cm eine Trittleiter. Ich spreche hier natürlich von dem Maß ohne Mittelsäule, denn wer die Mittelsäule bei einem Stativ auszieht, der kann auch gleich ein Einbein kaufen Winken. Das reine Packmass beträgt knapp 70cm, und das Stativ, dessen Beine komplett aus Kohlefaser (Carbon) sind - der Rest ist aus Magnesium - wiegt nackt 2,35 kg.
Der Durchmesser des ersten Carbonbeinteils beträgt 32mm, damit trägt das Stativ je nach Auszug zwischen 6 und 14 kg. Alle drei ersten Stativbeinteile sind mit einem Urethanschaumbelag (umgangsprachlich auch "Moosgummi" genannt) umzogen, der das Carbon wirkungsvoll gegen Beschädigung schützt und bei extremer Hitze und Kälte ein weiterhin komfortabeles Aufstellen garantiert. So etwas sucht man bei den "renommierten" Herstellern sonst meist vergeblich.
Der 3-Wege-Kopf PH-275 (ich habe ihn dem PH-285 vorgezogen, da er 3cm niedriger ist und 200g leichter) ist komplett aus Magnesium und wiegt bei einer Höhe von 15cm nur 1,3kg. Auch hier sind die beiden sehr gut zu bedienenden Griffe mit Mossgummi umschäumt und lassen sich sowohl für Links- als auch für Rechtshänder in den Kopf schrauben. Die Auflagefläche des Kopfes ist mit 91x104mm selbst für Mittelformatkameras grosszügig dimensioniert. Ein Schnellspannadapter ist optional zu erhalten.
Der MacroSlider ist aus Aluminium - der von mir favorisierte SuperMagSlider aus Magnesium ist leider momentan nicht lieferbar - und wiegt fast 800g - zum Slider später mehr.
Gleich nach dem Auspacken war ich erstaunt über das spürbar geringe Gewicht des reinen Staives - ok, mit Kopf ist es dann schon ein ziemliches "Pfund" Winken.
Gleichfalls erstaunte mich das beiliegende "Zubehör", denn neben einem kostenlos mitgeliefertem "Stone bag", der bei schwerem Sturm für sicheren Stand sorgen soll, liegt dem Staiv auch ein Schraubenschlüssel anbei - nanu, made by Harley Davidson? Winken Des Rätsels Lösung: der Schlüssel dient zum Nachziehen der großen Schrauben der Stativbeine, falls diese sich nach starkem Gebrauch mal lockern sollten - nettes Gimmick!
Nach 3 Minuten war das gute Teil zusammengebaut und mal kurz aufgestellt. Das Handling erinnert mich stark an mein erstes Slik Pro Stativ, denn auch das CF-730 verfügt im Gegensatz zu den "Biligprodukten" nicht über Klemmverschlüsse, sondern über robuste und vernünftige Drehgriffe, welche sich leicht und schnell lösen bzw. feststellen lassen. Zusäzlich verfügen die Stative der Reihe Sherpa Pro über das einzigartige "Inner Jut Pipe System". Dieses System ermöglicht eine höhere Stabilität der Stativbeine, außerdem können sich die Beinen während der Arretierung nicht drehen.
Das "Semi Auto Launch System" (halbautomatisches Einrichtungssystem) ermöglicht die separate Winkeleinstellung der Stativbeine jeweils in drei möglichen Positionen - was bei Makroaufnahmen unerläßlich ist, dadurch erreicht das Stativ Erdbodennähe.
Als erstes wurde der untere Teil der Magnesium-Schubsäule abgeschraubt. Das Stativ wird damit leichter, die Säule braucht man sowieso äußerst selten und für Makroaufnahmen in Bodennähe muss sie eh getrennt werden. Dann schraubte ich noch die Gummiendstücken auf den Stativfüßen nach oben, damit die Stahlspitze zum Vorschein kommt - einen guten Teppich, den man schonen müsste, gibt es in der freien Wildbahn selten - zudem sind die Gummifüße bei keinem Stativ vibrationsfrei.
Und ab geht´s ... dem Stativ liegt ein schöner breiter Gurt bei, mit dessen Hilfe es sich bequem über der Schulter tragen lässt. Meinereiner wuchtet das gute Stück aber lieber wie Knecht Rubrecht seinen Sack auf die Schulter, was dank Moosgummibeschichtung auch zu keinem übermässigem Druckschmerz führt. Dank dieser lässigen Trageweise erntet man auch eher neidische denn mitleidige Blicke von den entgegenkommenden Passanten Winken.
Aus Zeitmangel habe ich den praktischen Teil an Andreas Keller abgetreten. Dieser hat(te) ohnehin vor, sein betagtes Slik-Pro einzumotten und sich ein neues Stativ zuzulegen. So war er hellauf begeistert, als ich ihn fragte, ob er bereit wäre, ein Carbonstativ zu testen Smilie. Sein Bericht folgt im Anschluss an meinen.
Ich hatte das Stativ drei Tage zu Hause, wobei es mehr im Arbeitszimmer stand als in der freien Natur Winken. Aber ich darf sagen, dass mich das Teil fasziniert hat. Es ist unheimlich hochwertig verarbeitet und besticht durch durchdachte Details. So hat der PH-275-Kopf sogar 4 Wasserwaagen, die ein waagerechtes Ausrichten der Kamera selbst bei Hochformataufnahmen garantieren.
Dank der großformatigen Griffe und der sauberen Verarbeitung läßt sich der Kopf leicht in jede beliebige Lage drehen und schwenken, ohne dass man übers Ziel hinausschießt oder Verruckelt - nur ein Getriebe- oder Fluidkopf arbeitet noch besser, kostet aber auch eine "Kleinigkeit" mehr und ist für Standbilder wohl eher oversized.
Dem Kopf liegen 2 Gewindeschrauben für 1/4" und 3/8" bei, welche beide in der Länge verstellbar sind und sich so der Tiefe des kameraseitigen Stativgewindes anpassen lassen.
Kurz und gut: das CF-730 "rockt" - und zwar so sehr, dass ich trotz des UVP von 654 Euro für Stativ mit Kopf (was allerdings im Vergleich zu den direkten Mitbewerbern ein echtes Schnäppchen ist) mein Sparschein geschlachtet habe und mir das gute Stück gleich mit SuperMagSlider (UVP 119 Euro) geleistet habe - und das will schon was heißen Winken.
Es freut mich, dass ich Andreas Keller, einen über die Hildesheimer Grenzen hinaus bekannten Tier- und Naturfotografen, für einen Praxistest gewinnen konnte.
Hier sein Erfahrungsbericht:
Auf der Suche nach einem vielseitig einzusetzenden Stativ wurde mir durch die Firma Foto Erhardt in Hildesheim die Möglichkeit gegeben, einige Produkte der Velbon-Reihe zu testen.
Hierbei handelt es sich um folgende Produkte :
1.)Carbonstativ Sherpa PRO CF-730
2.)Dreiwege-Neiger PH 275
3.)MacroSlider
Alle von mir benutzten Komponenten waren sauber verarbeitet sowie leicht und exakt zu bedienen.
Das Stativ mit einem Gewicht von ca. 2,4 kg ist bei 190cm maximaler (14cm minimal) Arbeitshöhe kein �bermäßig schwerer Foto-Tour-Begleiter. Durch den dreifachen Beinauszug und die Beinspreizung ist es flexibel einsetzbar und mit einem Packmaß von 70cm für Flugreisen auch koffertauglich.
Der optisch stabile Eindruk bestätigte sich auch im Einsatz, so dass man das Stativ von Makro- bis Telefotografie problemlos einsetzen kann.
Im Vergleich zu Stativen von Manfrotto, Gitzo und Slik konnte ich auf den ersten Blick keine signifikanten Unterschiede oder sogar Nachteile erkennen!
Der Dreiwege-Neiger verfügt über Skalen für jede Drehrichtung (leider ohne Bezifferung) und mehrere Wasserwaagen zur exakten Ausrichtung, sogar für das Hochformat ist eine vorgesehen.
Die Griffe sind relativ groß dimensioniert, damit "griffig" und demzufolge gut bedienbar.
Im großen Auflageteller ist ein 1/4" Kameraanschluß eingelassen, auch der Stativanschluß ist in 1/4" ausgelegt.
Der aus Magnesium gefertigte Kopf bringt ca. 1,3 kg auf die Waage und ist dementsprechend stabil und vibrationsarm.
Der MacroSlider ist in 2 Ebenen verschiebbar, wobei sich die Verschiebewege auf 65mm nach vorn und 25mm jeweils zur Seite erstrecken. Die sich daraus ergebenden 130mm bzw. 50mm sind für eine Vielzahl von fotografischen Anforderungen mehr als ausreichend.
Der Slider ist kamera- und stativseitig mit einem 1/4" Anschluß ausgelegt und bringt ca. 680g auf die Waage.
Bei vollem Auszug nach vorne und einer schweren Makroobjektiv-Kamera-Verbindung (im Test Minolta Dynax 7 mit VC-7 und Sigma 180mm/3,5 Makroobjektiv = 2,2kg) sollte die Spiegelvorauslösung der Kamera in jedem Fall genutzt werden, da die Schwingungsarmut nicht mehr vollständig gegeben ist.
Soweit der Bericht von Andreas Keller, der seit kurzem ein Velbon CF-730 inkl. Magnesium-Kugelkopf 273QL sein Eigen nennt Winken. Er steht mehr auf Kugel, da er das Velbon für Tier- (in Kürze geht er in Spanien auf Bartgeier) und weniger für Makroaufnahmen nehmen will.
Um jedweder Spekulation den Boden zu nehmen: er hatte bereits ein Berlebach ins Auge gefaßt und sich nach seinem Test spontan und von sich aus (!) für das Velbon entschieden.
Der SuperMagSlider wird nachgetestet, sobald er lieferbar ist!
PS. Auch Flip steht auf Velbon (oder auf Moosgummi) Winken