Mit dem Giga Vu Pro zu den Vulkanen Kamtschatkas

ein Reisebericht von Daniela Szczepanski

Der Umstieg auf digitale Fotografie bringt viele Probleme mit sich, für die es neue innovative Lösungen braucht. Eines davon ist die Frage: Wohin mit der Datenflut hochauflösender Fotos auf Reisen fern ab der Zivilisation und des nächsten Stromanschlusses??

"Kamtschatka? Wo liegt denn das?" war eine der häufigsten Fragen, die mir meine verständnislos dreinblickenden Mitmenschen vor meinem Reiseantritt gestellt haben. Kamtschatka, das ist der äußerste Zipfel von Russland, gegenüber von Alaska, auf der anderen Seite der Welt. Die Hauptstadt Petropavlovsk, gerade einmal 2000 km von Tokio entfernt. Aber Kamtschatka ist noch mehr, es ist eine der letzten großen Wildnisse der Erde.

In der Zeiten der Sowjetunion war die Halbinsel Kamtschatka Sperrgebiet. So blieb die Natur in großen Teilen unberührt. Nach der Öffnung reagierte die UNESCO sehr schnell. So wurde die Vulkanregion von Kamtschatka 1996 zum Weltnaturerbe erklärt. 160 Vulkane wurden bisher gezählt, 28 davon aktiv. Ein Paradies für Vulkanologen und Fotografen und ein Ziel, das schon lange ganz oben auf der Liste meiner Reisewünsche stand.

Auf meine 4-wöchige Expedition hierher begleitet mich der GIGA Vu Pro von der Firma  JOBO. Die Dose soll ein schweres, energiehungriges Notebook ersetzten, das ich auf den langen Wanderetappen neben meiner gesamten Trecking- und Fotoausrüstung unmöglich auch noch tragen kann. Für mich geht es um jedes Gramm.

Auch der unstillbare Hunger nach Strom ist im Gelände ein großes Problem.

Ein Mi8, ein Russischen Transporthubschrauber im Methusalemalter bringt unsere Reisegruppe mit Kochgeschirr und Zelt zur Uzon Caldera. Die weite Schüssel der Caldera ist von ausgedehnten Sumpfgebieten bedeckt. Ein ideales Brutgebiet für Myriaden aggressiver Mücken auf der Suche nach Futter - nach mir! Der Pulk der schwärmenden Plagegeister ist zeitweise so dicht, dass sogar das Atmen ohne Moskitonetz problematisch wird. "Sieben auf einen Streich" - kein Problem!

Früh am Morgen füllt Nebel die flache Schüssel. Während die Sonne langsam höher steigt, zeigen sich erste Dampfsäulen zwischen üppigem Grün. Igory Shpilenok schultert seine zweischüssige Bärenflinte. Als Ranger kennt er die Caldera und ihre Bewohner wie seine Westentasche.

Nach 3 stündigem Fußmarsch befinde ich mich in einer anderen Welt. Das Grün der weiten Ebene ist verschwunden, hierher wagen sich Pflanzen nicht vor. Den Boden bildet ein hellgrauer Panzer aus zersetztem Gestein. Dampf steigt auf, es riecht nach Schwefel. Vorsichtig bewege ich mich vorwärts; der Boden ist instabil, kann unter meinen Schritten jederzeit nachgeben. Hier ist die Erde noch heiß, zeugt von der vulkanischen Vergangenheit. Algen färben die unzähligen heißen Quellen in den unterschiedlichsten Farben. Zäh blubbert Schlamm in tiefen Töpfen. Und als ob das alles noch nicht phantastisch genug wäre, tauchen zwei Kamtschatka-Bären auf, eine Mutter mit ihrem Jungen. Geplagt von den vielen Mücken, suchen sie Schutz im Thermalfeld.

Zusammen mit Igory pirschen wir und vorsichtig näher an die Bären heran. Wir wollen sie nicht stören. Während die Mutter uns völlig ignoriert und sich das saftige Gras schmecken lässt, hat der kleine Teddy uns bemerkt. Neugierig kommt er ein paar Schritte auf uns zu. Immer darauf bedacht sich nicht zu weit von seiner Mama zu entfernen, wüsste er schon gerne, was das für komische, klickende Wesen mit schwarzen Rohren im Gesicht sind, die da auf dem Hügel sitzen. Unheimlich sind die schon. Der Mut des Kleinen reicht nicht aus, da spielt er doch lieber wieder mit Mama. Plötzlich quiekt das Bärchen auf. In seiner Neugierde ist er in eine heiße Quelle getappt und springt nun in Windeseile zurück aufs Trockene. Oh je! Der arme Kleine! Er weicht jetzt nicht mehr von Mutters Seite, die ein Einsehen zeigt und ihren Spross sicher aus dem gefährlichen Thermalfeld herausführt.

Schmunzelnd sehen wir den beiden nach, wie sie über den Hügel verschwinden.

Nach diesem Erlebnis sind all meine Speicherkarten voll, jetzt kommt die Dose zum Einsatz. Meine anfängliche Skepsis gegenüber dem kleinen, surrenden Hightech-Gerät mit dem großen Display und wahlweise 40 oder 60 GB Speicher verfliegt rasch. Ohne Probleme lassen sich Fotos im RAW-Format von der CF-Karte direkt auf die Dose überspielen und editieren. Das kleine Platzwunder machte selbst bei schlechtem Wetter, in Staub und Vulkangas, bei Hitze und Kälte eine gute Figur. Dafür sorgt nicht zuletzt auch die stabile Hartgummiabdeckung, der die Dose ihren Namen verdankt.

Bei zunehmender Datenflut, am Ende der Reise wird dann, die sonst so einfache und intuitive Navigation durch die Tiefen der Bytes etwas unübersichtlich.

Dafür glänzt die Dose durch ihr Unterhaltungstalent. Als MP3-Player während des langen Flugs leistet mir der Vu gute Dienste.

Ein Traum geht für mich an den Hängen des Mutnovsky Vulkans in Erfüllung. Schlechtes Wetter zwingt uns dazu, einen Tag in unseren winzigen Zelten, auf einer kleinen grünen Insel mitten im Schnee zu verbringen, Langeweile auf engstem Raum. Doch der Giga Vu mit der Abspielfunktion von Mpeg 2 Videos kann auch hier glänzen. Schnell finden sich zwei Mitseher für den witzigen Kinofilm, den ich vor Beginn der Reise auf den Vu geladen hatte.

Gemütlich liegen wir mitten im Nirgendwo, beim Prasseln des Regens im Zelt und genießen das Stück Zivilisation, ja Luxus in einer so einfachen Umgebung.

Am nächsten Morgen begrüßt uns ein makellos blauer Himmel. Wir können unsere 14 stündige Wanderung hinein in den Krater des Mutnovsky fortsetzten. Wo sich die Gletscher in den Vulkan schieben, treffen sich Feuer und Eis. Gelber Schwefel säumt fauchende Fumarolen, überall steigt Dampf in den Himmel. Ein heißer Säurebach sucht sich gurgelnd seinen Weg durch den Krater. Einer der skurrilsten und sicherlich auch der wunderbarsten Plätze auf unserem Globus.

Daniela Szczepanski Die Fotografin Daniela Szczepanski ist ein Kind des Ruhrgebiets. Als Kind war ihr liebster Spielplatz eine alte Zechenbrache und ihren ersten Job trat sie, nach dem Abitur bei Opel in Bochum an. Nach ihrem Geologiestudium an der Ruhruniversität bereiste sie zahlreiche Vulkangebiete auf der ganzen Welt und sammelte bei großen Eruptionen allmählich ihre Erfahrungen mit den glühenden Steinen. Heute bewegt sie sich auf Expeditionen in der ganzen Welt genauso selbstverständlich wie auf heißer Lava. Mit ihrer Produktionsfirma terrascience medien (www.vulkane.net) hat sie sich auf geowissenschaftliche Naturdokumentationen spezialisiert. Seither entstanden zahlreiche Filmbeiträge für das Fernsehen und Multi-Media Anwendungen. In ihrem Online-Fotoarchiv (www.vulkanarchiv.de) finden sich Aufnahmen von Vulkanen auf der ganzen Welt und zu den Themen Natur, Landschaft und Reise.