Seamotion

SEAMOTION | Herbert Böttcher 2005

"Seit ich denken kann, fasziniert mich die See - und wird immer wieder zum Thema meiner Fotografien", Herbert Böttcher.
So entstand im Frühjahr 2004 Böttchers Idee eines Fotoprojektes auf Containerschiffen von Deutschland über Brasilien nach Asien, welches er zusammen mit dem Projektpartner Hamburg Süd plante. Das gestalterische Konzept sah Panoramaaufnahmen mit seinem Lochkamerasystem sowie einer konventionellen Kamera, der Hasselblad XPan II vor.

Auch schaute er sich im Vorfeld seiner Seereise am Markt nach einem mobilen Filmentwicklungssystem zur Kontrolle und Sicherung seiner Arbeitsergebnisse um.
Aufgrund positiver Erfahrungen von KollegInnen mit JOBO Systemen, bat er die JOBO AG um Unterstützung und entwickelte vor seiner Reise zu Testzwecken je einen Colornegativ- und Colorpositivfilm mit der original Chemie in der JOBO ATL 1500.
Böttcher berichtet: "Zu meiner Freude waren die Entwicklungsergebnisse von Anfang an hervorragend genau und mit geringem Aufwand bei kleiner Stellfläche der Maschine und des Zubehörs zu erreichen. Der anschließenden digitalen Auswertung und Bearbeitung durch mein Equipment auf See stand nun nichts mehr im Weg".

Böttchers Weiterreise erfolgte nach kurzem Aufenthalt mit der Cap Carmel, vorbei an Afrika, zu den Häfen in Singapur und Hongkong und endete per Flugzeug am 28. November in Frankfurt.

Während der 7wöchigen Reise erlebte er Menschen verschiedener Nationalitäten, die in einer abgeschlossenen Zweckgemeinschaft zusammenleben und dabei einen eigenen, von Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft geprägten Lebensstil entwickeln.
Getrennt von ihren Familien, arbeiten sie fern jeder Seemannsromantik für viele Monate auf See und bewegen sich zwischen dem gesamten Spektrum an Tätigkeiten zwischen Rost klopfen und dem Umgang mit Hightech auf höchstem Niveau.

Wenn Böttcher von seiner Reise spricht, kommt der Stimmung an Bord der Schiffe eine besondere Bedeutung zu. Diese war geprägt durch Professionalität, Ruhe und Gelassenheit - Stimmungen die auch in Böttchers Arbeiten zu erkennen sind.Am 12. Oktober 2004 war es soweit: 24 Besatzungsmitglieder, der Fotograf und 1600 Container auf der 233 Meter langen Cap Roca, verließen Hamburg in Richtung Antwerpen, Le Havre, Suape, Sepetiba und Santos, ihrem Zielhafen in Brasilien. Um seine Arbeit auf See möglichst gut vorbereitet durchzuführen, sammelte er im Sommer 2004 in Norddeutschland für einige Tage zu Land und zu Wasser Erfahrungen zum Thema. Einerseits zur Konkretisierung seines gestalterischen Konzeptes, andererseits um Problemfelder aufzuspüren.

Herbert Böttcher, Jahrgang 1962, studierte in Bielefeld Foto/Filmdesign. Seid 1990 sind seine künstlerischen Arbeitsfelder Fotoprojekte für Unternehmen, Ausstellungen und Publikationen. Der Düsseldorfer Fotograf arbeitet vornehmlich im Panoramaformat in Kombination mit digitaler Bildgestaltung. Bekannt wurde Böttcher durch seine expressiven Architekturfotografien, welche mit moderner Lochbildtechnik die Formensprache zeitgenössischer Baumeister wie z. B. Frank O. Gehry interpretieren.
2004 wurde Herbert Böttcher Preisträger des International Photographic Council (IPC). Weitere Einblicke in seine individuelle Bildsprache finden Sie unter www.HerbertBoettcher.com